
Perfektes Zusammenspiel
Die Informationsverarbeitung im menschlichen Gehirn
Die Menge an Informationen, die in jedem Moment auf unser Gehirn einströmt, ist unvorstellbar groß. Und doch ist es in der Lage, sie aufzunehmen und sinnvoll zu verarbeiten. Diese Herkulesaufgabe verlangt ein eingespieltes Team.
Mit rund 1,5 Litern beansprucht das Gehirn, gemessen an seiner Bedeutung, im menschlichen Körper vergleichsweise wenig Raum. Bei Frauen wiegt es im Schnitt ca. 1,25 kg, bei Männern ca. 1,4 kg. Es ist unser zentrales Organ. Das Gehirn verarbeitet pausenlos alle eingehenden Informationen und überwacht und koordiniert alle Funktionen des Körpers. Dabei übernehmen die verschiedenen Hirnareale unterschiedliche Aufgaben. Das Wissen darüber können wir im Alltag konkret nutzen, um unsere mentale Fitness zu verbessern. Wenn wir z. B. Unterlagen nach einem sinnvollen System ordnen, wird uns die Arbeit damit leichter fallen, denn das Gehirn liebt leicht durchschaubare Strukturen.
Stets aktiv und in vollem Bewusstsein
Bewusste Vorgänge sind an das Großhirn gebunden. Es besteht aus einer linken und einer rechten Hälfte, den sogenannten Hemisphären. Am Prozess der Informationsverarbeitung immer beteiligt ist das Präfrontalhirn. Hier ist der Arbeitsspeicher lokalisiert, die Informationsmanagementzentrale des Gehirns. Hier werden alle eingehenden Informationen bewertet, mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft, ins Gedächtnis eingespeichert oder auch wieder gelöscht. Ein Bündel Nervenfasern, Balken genannt, verbindet beide Gehirnhälften. Über ihn tauschen sie Informationen in Form von Nervenerregungen aus, so dass stets beide Gehirnhälften zusammen arbeiten. Dennoch sind sie primär für jeweils unterschiedliche Funktionen zuständig. So dominiert bei Rechtshändern überwiegend die linke Hemisphäre alle sprachlichen Funktionen, und hier findet auch das Rechnen und das logische Denken statt. (Das ist übrigens auch bei gut der Hälfte der Linkshänder der Fall.). Die rechte Hemisphäre ist dagegen primär zuständig für die Verarbeitung von Bildern, Musik und räumlichem Denken. Bei Menschen, deren rechte Hemisphäre die sprachdominante ist, sind die Funktionen jeweils spiegelbildlich vertauscht.
Rechts oder links – das ist hier die Frage
Entscheidend dafür, ob eine Funktion von der rechten oder der linken (sprachdominanten) Hemisphäre übernommen wird, hängt davon ab, nach welchem Muster die zugehörigen Informationen verarbeitet werden müssen. Die Art der Informationsverarbeitung in beiden Gehirnhälften unterscheidet sich nämlich grundlegend: so verarbeitet die sprachdominante Hemisphäre Informationen sequentiell, d.h. nacheinander und in einer bestimmten Reihenfolge. Das ist beim Sprechen, Lesen und Schreiben ebenso wie beim Rechnen. Auch beim logischen Denken folgt ein Schritt nach dem anderen. Diese bewussten Vorgänge im Gehirn lösen positive Gefühle in uns aus. Optimismus und Hoffnung werden daher auch der sprachdominanten Hemisphäre zugeordnet.
Im Gegensatz dazu verarbeitet die nicht sprachdominante Hemisphäre Informationen parallel: nahezu gleichzeitig können wir Bilder, Musik und Dinge, die uns umgeben, wahrnehmen. Wir können gleichzeitig Gesichter erkennen und Wahrnehmungen unseres Körpers fühlen. Diese Informationen bedürfen keiner bestimmten Ordnung.
Sprechen und Rechnen für die mentale Gesundheit
Wir können also unsere mentale Gesundheit gezielt fördern, indem wir unsere sprachdominante Gehirnhälfte nutzen: miteinander zu kommunizieren, mal wieder im Kopf zu rechnen oder uns im logischen Denken zu üben, versetzt uns nicht nur in eine positive Stimmung, sondern bringt vor allem den Arbeitsspeicher auf Trab. Und das verbessert insgesamt unsere geistige Leistungsfähigkeit.










